Atem
- Für jedes Asana gibt es eine definierte Anzahl von Ein- und Ausatmungen. Dieser
Aspekt des Ashtanga Yoga heißt "Vinyasa". Jede Bewegung in der Serie ist
verbunden mit einer Einatmung oder Ausatmung.
Die Serie ist wie ein Musikstück, eine Komposition, in der jede Note ihren
definierten Platz hat. Vertauscht man eine Note, verändert man einen Atemzug,
gerät die Komposition aus der Tonart, versagt der Rhythmus der Übung.
Es ist unmöglich, Ashtanga Yoga zu üben ohne ein Verständnis der Atmung oder
ohne den richtigen Rhythmus. Viele Asanas können ohne die richtige Verbindung
von Bewegung und Atemrhythmus gar nicht geübt werden (versuchen Sie es zum
Beispiel einmal mit Ardha Baddha Padmottanasana in den Einführenden Asanas!).
Bitte vergleichen Sie Lino Mieles Buch "Astanga Yoga" im Abschnitt "Bücher" für
detailliertere Informationen über das Vinyasa-System.
- Einerseits wird das Benutzen des Atems es möglich machen, bestimmte Asanas
einzunehmen, die Balance zu halten etc. Das ist die „technische“ Seite. Aber wir
halten es für wichtiger, die mentale Wirkung zu betrachten. Yoga bedeutet, den
Geist zu kontrollieren, das immerwährende Geflacker anzuhalten und vollständig
fokussiert zu sein auf das “Genau hier, genau jetzt”. Hält man den Geist
beschäftigt mit dem Zählen der Atemzüge, hilft das, einen Zustand der
“Meditation in Bewegung” zu erreichen, ohne Ablenkungen von der Welt um uns
herum – und das ist nach unserem Verständnis der Zweck der strengen Übung. Das
ist der Unterschied zwischen Yoga und Verrenkungskunst. Was sonst könnte der
Nutzen davon sein, die eigenen Beine hinter dem Nacken zu verschränken und bis
fünf zu zählen .... ?
- Eine wichtige Atemtechnik im Ashtanga Yoga heißt "Ujjayi-Atmung". Es ist
besser, sie von einem Lehrer zu lernen als aus einer geschriebenen Quelle. Kurz
gesagt, bedeutet sie, die Stimmritze zusammenzuziehen, um ein zischendes
Geräusch zu erzeugen, und durch das Setzen von Moola Bandha und Uddiyana
Bandha alleine den Brustkorb für die Ausdehnung der Lungen zu benutzen, nicht
den Bauch. Ujjayi-Atmung wird durch die Konzentration auf dieses Geräusch Ihren
Geist füllen und beruhigen. Sie werden daran gehindert werden, die
Synchronisation von Bewegung und Atmung zu vergessen. Und außerdem wird in
Ihrem Körper Hitze erzeugt werden, die hilft, “das Eisen zu biegen” (ein warmer
Körper ist beweglicher) und durch Schwitzen zu entgiften.
- Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt bei der Atemtechnik des Ashtanga Yoga ist
der Gebrauch von inneren „Verschlüssen“ oder „Ventilen“ (genannt Bandhas), um
das Üben der Asanas zu erleichtern.